Mondbasis Blog

Geschreibsel wie u.a. die Kolumnen bei Arcor & Vodafone...

MIXTAPE 6 – Als „Alternative“ zu so einer Art Sub-Mainstream wurde…

24.04.2018 - Da erschloss sich plötzlich ein völlig neuer Großmarkt. Das war nicht mehr Indie und Underground, das war plötzlich ein Megaseller.

Zum Mixtape: Modern Hard Rock, Blues & Swagger // Playlist on Spotify

Meine Wahrnehmung von den Dingen ist immer irgendwie personenbezogen. Ich kann nicht etwas lieben, wenn ich die Leute dahinter nicht mag. Ich bin Musikproduzent geworden, weil sich das einfach so ergab. Da war nie ein großer Plan oder sowas. Ich habe nie wie ein Wahnsinniger geübt, um der beste Gitarrist, Schlagzeuger oder was auch immer zu werden. Mich hat immer nur der Song interessiert, die Komposition, der Text, die Klangästhetik und natürlich die Persönlichkeiten dahinter. Mich interessieren die Menschen und ihre Geschichten.

Ich nehme manchmal einzelne Personen innerhalb einer Band irgendwie besonders wahr. Dave Grohl z.B. fiel mir das erste Mal 1991 auf, als ich staunend auf den Fernseher blickte und mir Nirvana bei MTV ihr „Smells Like Teen Spirit“ um die Ohren ballerten. Ich war völlig aus dem Häuschen. Sowas war bis dahin undenkbar im Fernsehen. Damit wurde nicht nur der Grunge populär, sondern der komplette Bereich „Alternative“ wurde zu so einer Art Sub-Mainstream. Da erschloss sich plötzlich ein völlig neuer Großmarkt. Das war nicht mehr Indie und Underground, das war plötzlich ein Megaseller. Ich mag diesen Grohl irgendwie und obwohl ich weder bei Nirvana, noch bei den Foo Fighters musikalisch mein Zuhause fand, sind doch einzelne Songs bei mir definitiv eingeschlagen und natürlich auch auf der Playlist gelandet. Aber dieser erste Alternative-Hit wäre ohne das Drumming von diesem Typen nur halb so geil gewesen.

Björk! Bei so einer Aufstellung darf man Björk einfach nicht vergessen. Ebenfalls zu Beginn der 90er schwappten die Sugarcubes aus Island zu uns herüber. Frontfrau Björk hatte bereits ihren eigenartigen Gesangsstil ausgeprägt und die Band feierte auch weltweit schnell Erfolge. Auch hier war es wieder der Musiksender MTV, über den ich auf sie aufmerksam wurde und meine erste Faszination für diese außergewöhnliche Persönlichkeit war da. Nach dem Erfolg ihrer allerersten Solo-Single „Human Behaviour“ hat mich vor allem „Venus as a Boy“ (beide vom Album „Debut“) sofort umgehauen und mittlerweile gehört sie zu den wenigen Künstlern, die in meiner CD-Sammlung mit fast ihrem Gesamtwerk in Serie gegangen sind.

Na klar hab ich den Rummel um den Echo mitbekommen aber muss ich mich da jetzt einreihen und meinen Senf auch noch dazu geben, nur weil es zufällig um meine Branche geht? Nein, muss ich nicht! - Playlist! Anhören! Gutfinden! Wiederkommen!

(Musikkolumne von Toma Moon bei Arcor & Vodafone)

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MIXTAPE 5 – Neu ist immer besser!

17.04.2018 – Ist das so? Was zum Geier hat denn mein Musikgeschmack mit der Zeit zu tun? Wenn ich einen Song höre, dann gefällt der mir oder eben nicht…

Zum Mixtape: Modern Hard Rock, Blues & Swagger // Playlist on Spotify

Für Künstler ist der Zeitpunkt quasi alles. Wenn du vor 5 Monaten nen tollen Song veröffentlicht hast, interessiert das heute keinen mehr. Viel Spaß bei dem Versuch, dafür noch irgendwo eine Rezension zu bekommen und wenigstens in irgendeinem kleinen Online Magazin stattzufinden. Aus Marketingsicht ist neu einfach immer besser, weshalb man da auch so langfristig eine Veröffentlichung plant. Was du in den ersten 2 Wochen nicht bei den Zeitschriften, Magazinen und Blogs unterbringst, hat sich erledigt.
 
Natürlich interessiert mich als Hörer herzlich wenig, wann welcher Song veröffentlicht wurde, wenn er mir doch gefällt, aber wenn da bei der Veröffentlichung nicht alles bestens gelaufen ist, werde ich diesen wahrscheinlich niemals zu hören bekommen, dann hat es ihn de facto einfach nie gegeben. Was keiner kennt, kann auch keiner gut finden! Hier zeigt sich ganz deutlich, welche Rolle die Musikindustrie bei der Sache spielt. Es ist am Ende egal, ob da einer der Global Player, wie Universal oder Sony im Spiel ist oder ein kleines Indie Label die Strippen zieht. Wenn die im Marketing nen schlechten Job machen, ist das Ding gelaufen.

Es gibt ein paar Bands und Künstler, die mich schon seit vielen Jahren begleiten. Ich war nie Fan von irgendwas aber mindestens indirekt hat mich der eine oder andere doch auch geprägt. Wie schon mal hier erwähnt, gehört die britische Band „New Model Army“ da definitiv auf diese Liste. Mit „Vagabonds“ vom vierten Studioalbum „Thunder and Consolation“ (1989) hatten die Jungs einen riesen Indie-Hit, wobei ich persönlich am liebsten die Live-Versionen höre. Ich hab in meiner CD Sammlung seit einer gefühlten Ewigkeit auch die erste NMA Live Platte „Raw Melody Men“, die ich mit Abstand am meisten gehört habe aber, ganz ehrlich, ich weiß absolut nicht, wo ich die her habe. Manchmal kommen die Dinge einfach zu dir, ob du nun willst oder nicht (falls da jetzt irgendwer aus meiner Vergangenheit grad ne Offenbarung hat, Asche auf mein Haupt, ich hab mich mit Sicherheit nicht vorsätzlich ihrer bemächtigt und obwohl es mir natürlich unendlich leid tut, dass du diesen Verlust hinnehmen musstest, vergiss es, ich geb die nicht wieder her). In der Playlist sind übrigens aktuell auch zwei Songs der letzten Platte aus 2016. In der Playlist sind übrigens auch noch knapp hundert weitere feine Songs.

Zusammengefasst, ja, neu ist immer besser und, nein, neu ist völlig egal! Es kommt einfach darauf an, aus welcher Perspektive man das betrachtet und glaubt mir, kein Künstler findet das gut, aber ändern kann er/sie es eben auch nicht. Also Schluss mit dem Gesabbel, hört mehr New Model Army!

(Musikkolumne von Toma Moon bei Arcor & Vodafone)

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MIXTAPE 4 – Ja, wie findet man denn nun die Diamanten im Müll?

10.04.2018 – Die landen irgendwie, irgendwann einfach auf meinem Tisch, aber so richtig was Besonderes, mit eigener Note und trotzdem eingängig, ist verdammt selten…

Zum Mixtape: Modern Hard Rock, Blues & Swagger // Playlist on Spotify

Radio? Das kann man schon mal einschalten, zur belanglosen Berieselung im Büro oder Auto (auch so ne Art Büro in unserer Branche) und ja, ich will auch so n bisschen was mitbekommen aus der Welt und die Chance, mal eben die Nachrichten zu erwischen ist relativ groß. Meine CD Sammlung? Äh, eigentlich ist es schon Jahre her, dass ich mir ne CD gekauft habe. Ehrlich gesagt, läuft meistens Spotify und da entweder irgendein Künstler, der mir nahegelegt wurde oder eben meine Playlist. Nur nicht das Zeug, das ich schon im Radio in Dauerrotation zwischen den Nachrichten in meine Gehörgänge geballert kriege.

Auf den herkömmlichen Kanälen entdeckt man keine neue Musik. Da kann man froh sein, wenn man nicht irgendwann das Thema völlig aufgibt. Ich hab natürlich einen kleinen Vorteil. Wir bekommen jede Menge Zusendungen von Bands, Solokünstlern etc., ob die nun grad einen Produzenten suchen, ein Tonstudio oder ein Label, da bekommt man automatisch einiges mit. Und nicht zu vergessen, die Gespräche mit meinen Kollegen und deren Produktionen. Es gibt schon ne Menge cooles Zeug aber so richtig was Besonderes mit eigener Note und trotzdem eingängig im Ohrwurmgewand ist doch eher rar. Aber es gibt sie, die Diamanten, im Meer von Einheitsbrei und Rumgeplänkel, verstecken sich irgendwo und wollen doch gefunden werden. Aber glaubt mal nicht, dass da auch nur ein Prozent nach ein paar Jahren noch existiert.

Das liegt irgendwie in der Natur der Sache. Die meisten Künstler haben nun mal ständig das Bedürfnis sich neu zu erfinden, Dinge auszuprobieren und neue Wege zu gehen. Das lässt sich einfach nicht in ein bewährtes Vermarktungskonzept quetschen. In der Musikindustrie sitzen ja nicht haufenweise Nerds rum, die den ganzen Tag ganz tolle und innovative Musik hören und herausbringen wollen. Da sitzen Marketingleute, Wirtschaftsprofis, deren Job das ist und die damit Geld verdienen wollen und müssen (schließlich hängen da auch unzählige Mitarbeiter und Familien dran). Das sind einfach zwei Fronten, die erstmal überhaupt nicht zusammen passen und sich doch gegenseitig brauchen. Bands, die es schaffen, über 10 Jahre einigermaßen im selben Genre unterwegs zu sein, haben da fast schon eine Garantie, sich am Markt zu etablieren, wenn sie hin und wieder ein paar gute Songs schreiben und ihre Instrumente beherrschen. Leider halten die meisten keine 3 Jahre durch, ohne dass ein entscheidendes Bandmitglied in der Versenkung verschwindet, oder sich die Band gleich ganz auflöst (nein, vor sich hin dümpeln und einmal im Jahr zusammen proben, zählt nicht).

Ich hab gerade eben mal versucht, ein paar jüngere Bands, die mir in den letzten Jahren in Erinnerung geblieben sind, auf Tauglichkeit für meine Playlist zu prüfen. Nicht eine einzige existiert noch! Ausbeute gleich Null! Was soll ich dazu sagen? Ich bin raus für heute! Hört die scheiß Playlist und kommt nächste Woche wieder vorbei hier!

(Musikkolumne von Toma Moon bei Arcor & Vodafone)

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MIXTAPE 3 – Warum früher trotzdem nicht alles besser war!

03.04.2018 – Es war übrigens auch nicht schlechter, es verändert sich nur einfach. Das nennt man Leben und das im Einzelnen zu bewerten macht schlichtweg keinen Sinn…

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Es ist noch nicht lange her, da hörte man von Seiten der Musikindustrie nur noch Gejammer. Die Umsätze von CD Verkäufen waren komplett eingebrochen und das böse Internet hatte den Markt zerstört… Eine ganze Branche hatte über Jahrzehnte wie die Made im Speck gelebt und sah sich nun plötzlich von neuen Medien bedroht, die sie wohl nicht überleben würde. Seit ein paar wenigen Jahren liest man nun davon, dass der Musikmarkt wächst und die Zahlen sich gut entwickeln. Alle sind wieder glücklich. Man hat einen Weg gefunden, neue Konzepte entwickelt und jetzt feiert man sich wieder selbst - bis zur nächsten Krise…

Nanu, denkt sich dann der nicht involvierte Musikliebhaber. Was war passiert? Ganz einfach, das Leben ging weiter. Dinge verändern sich und wenn man mit glasigen Augen, stets nur sich selbst beweihräuchernd, eine nie enden wollende Party feiert, kann man schonmal das eine oder andere verpassen und steht dann völlig unvorbereitet, mit den Händen in den Taschen, auf einer großen Baustelle und heult. Am Ende findet sich dann doch ein Weg und alles wird gut.

Und außerhalb der Branche? Vor 20 Jahren hab ich meine CDs mit zu meinen Kumpels genommen (ja, da hat man sich noch so richtig bei den Leuten zu Hause getroffen) und dann haben wir zusammen Musik gehört, darüber diskutiert und uns gegenseitig neue Platten vorgestellt. Heute sieht das auf den ersten Blick ganz anders aus, ist aber in der Basis genau das gleiche. Wir hören nen coolen Song oder sehen ein Video und teilen das dann einfach mal per WhatsApp, Facebook, YouTube oder was auch immer direkt und sofort mit unseren „Homies“ und vielleicht entsteht auch gleich eine Diskussion in der Gruppe darüber. Wenn man damals was über einen Künstler wissen wollte, hat man sich ne Zeitschrift besorgt oder mit anderen darüber gesprochen und es gab so einige Leute, die ihren Coolness-Faktor allein aus der Tatsache gezogen haben, dass sie irgendwelche Details wussten, mit denen sie andere beeindrucken konnten. Heute googelt man sich durch den großen Müllhaufen und weiß am Ende trotzdem nicht, ob man jetzt über neues Faktenwissen verfügt oder sich nur irgendwelchen Unsinn gemerkt hat, der von den omnipräsenten Detailwissen-Angebern abgesondert wurde. Die gibt’s nämlich nach wie vor und richtig überprüfen lässt sich der Wahrheitsgehalt immer noch nicht…

Da kann man jetzt aus verschiedenen Perspektiven darüber schwadronieren, warum jetzt was davon besser oder schlechter war/ist, oder man akzeptiert einfach, dass die Welt sich nunmal weiter dreht… Letzte Woche hab ich übrigens ein paar uralte Begleiter wiederentdeckt. New Model Army haben mich schon in den 90ern mit ihren keltisch anmutenden Folk-Rock-Songs verzaubert und ich habe mir endlich mal die letzte Platte „Winter“ zu Gemüte geführt und gleich mal 2 Perlen daraus in die Playlist geschmissen… Nächste Woche geht’s hier weiter, womit auch immer

(Musikkolumne von Toma Moon bei Arcor & Vodafone)

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MIXTAPE 2 - Für mich rockt das immer noch!

27.03.2018 - Was wir gut finden, bestimmen andere und die verdienen ihr Geld damit, dass wir das gut finden. Wenn also schon jemand meinen Musikgeschmack bestimmt, dann will ich mir doch wenigstens aussuchen, wer!

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Es gab Zeiten, da funktionierte das tatsächlich mal richtig gut. Die Zeitschrift meiner Wahl war in den 90ern die VISIONS. Es gab so zwei drei Schreiberlinge, die ziemlich genau meinen Musikgeschmack trafen und wenn die einer neuen Platte 10 von 10 Punkten gaben, konnte ich in den Laden gehen und das gute Stück ungehört kaufen, weil ich wusste, dass mir das gefallen würde. Dann gab‘s da noch Frank‘s Plattenladen, in dem ich fast jeden Samstag aufschlug. Dirk (Frank gehörte der Laden vorher und irgendwie hieß der dann halt weiter so) hatte mir immer schon ein paar neue Sachen bei Seite gelegt, von denen er wusste, dass mir das gefallen könnte.

Ich war also bestens versorgt. Aber wie ist das heute? Als das Internet für alle zugänglich wurde, war das der absolute Wahnsinn. Ich brauchte keine Zeitschrift oder ähnliches mehr. Ich hatte plötzlich Zugang zu Sachen, die mich vorher nie erreicht hätten und habe unheimlich viel Neues entdeckt. Aber schnell wurde auch klar, dass gute Musiker noch lange keine Marketing Spezialisten sind und wer am lautesten brüllt, auch nicht unbedingt die besten Songs schreibt.

Bei allen Vorteilen, die sich ergaben, ist das Internet nunmal auch ein unfassbar großer Müllhaufen, in dem auch wirklich jeder Mist, den irgendwer irgendwann mal abgesondert hat, auf ewig gesammelt wird (ja, auch meine Zeilen). Wenn wir etwas suchen, benutzen wir irgendeine Suchmaschine und hoffen auf brauchbare Resultate. Leider gibt es aber mittlerweile zu jedem Suchbegriff irgendeinen Beitrag in einem der 700 Milliarden Foren, bei dem einer eine Frage stellt und bevor irgendwann auf Seite 523 mit Glück tatsächlich auch mal eine Antwort auftaucht, müssen die Klugscheißer dieser Welt erstmal erklären, dass sie das alles ganz anders machen würden... Warum früher trotzdem nicht alles besser war und wie man auch in riesigen Müllhalden echte Diamanten findet, klären wir beim nächsten Mal.
 
Bis dahin will ich euch wieder mein „Rock Music Best Of“ (siehe oben) ans Herz legen. Es kommen immer wieder neue Songs dazu und natürlich fliegt auch immer wieder was raus und wer mehr dazu wissen will, muss die erste Kolumne lesen… Ja, Spotify ist die Plattform meiner Wahl und ja, ich hab es auch diese Woche nicht geschafft, zu erklären, warum. Neuer Versuch, nächste Woche!

(Musikkolumne von Toma Moon bei Arcor & Vodafone)

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MIXTAPE 1 - Für mich rockt das und das muss reichen!

19.03.2018 - Da ist so viel großartige Musik in der Welt! Ok, da ist auch jede Menge Mist, aber den müssen wir ja nicht zum Thema machen...

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Mal versucht, neue Musik im Radio zu entdecken? Auch genervt vom ewig Beliebigen? Immer der gleiche Einheitsbrei? Wer sucht das eigentlich immer alles aus und was zum Geier stimmt mit dem nicht? - Dem? Ja ja, ich weiß, aber wenn ihr die Frauenquote im Musikbiz kennen würdet, würdet auch ihr da ganz selbstverständlich von einem männlichen Primaten ausgehen - Wieso läuft auf jedem großen Radiosender eigentlich immer das Gleiche? Und wieso haben alle Redakteure den gleichen Geschmack? Mal ehrlich, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass da auch nur zwei unabhängige Musikredakteure die gleichen Songs am selben Tag auswählen? Und wir reden hier eigentlich von wesentlich mehr als 2 Sendern… Ich würde da ja jetzt näher drauf eingehen aber das geht natürlich nicht. Das hier ist der erste Absatz und der muss immer kurz und knackig sein, sonst liest da keiner weiter.

Was machen wir also jetzt? Guckst du nach rechts, findest du mein MIXTAPE, meine Playlist bei Spotify, die ich gerade hoch und runter höre, gefüllt mit wunderbaren Songs, die ich alle am liebsten als nächstes hören möchte. Mach an das Ding und dann sind wir schon mal im gleichen Universum unterwegs!

Ich bin übrigens Toma Moon. Ich wandle zwischen den Welten, bin mal Musikproduzent, mal Manager, mal Marketing Chef, mal Sounddesigner, mal Musiker, Mixing & Mastering Engineer, Kommunikator, Autor, und manchmal bin ich auch alles gleichzeitig. Ich bin einer von denen, die an der Quelle sitzen, oft bin ich gar selbst die Quelle und ich bin nicht allein. Allein unser Mondbasis Kosmos umfasst ein Kreativkollektiv von zehn Leuten, die mit aller Leidenschaft ihren Output in die Welt posaunen und wer hier hin und wieder mal reinschaut, wird sie alle irgendwann mal kennenlernen, vielleicht.

Mein „Rock Music Best Of“ spiegelt weder ausschließlich ein bestimmtes Genre wieder noch hat es den Anspruch irgendwie objektiv zu sein. Da sind viele großartige Songs, die ich gerade gerne als Playlist laufen habe und ich werde den Teufel tun, hier über die Vollständigkeit von „Best of“ Listen zu diskutieren, oder ob das nun so zusammen passt oder irgendetwas mal gar nicht geht, das ist mir nämlich alles ziemlich egal. Für mich rockt das und das muss reichen. Es gibt unheimlich viel wirklich tolle Musik, ob die nun laut oder leise ist, hart oder weich, akustisch oder elektronisch, ein Mix aus allem oder vielleicht auch überhaupt nicht einzuordnen, ob ich da nun irgendwie selbst meine Finger im Spiel hatte oder nicht, es gibt sie in allen Facetten und jede Menge davon! Es gibt natürlich auch jede Menge Mist, aber den müssen wir ja nicht zum Thema machen…

Jetzt bin ich weder näher darauf eingegangen, was da mit den Radiosendern schief läuft, noch hab ich erklärt, warum ich nun ausgerechnet Spotify als Medium gewählt habe. Was ist eigentlich der Mondbasis Kosmos? Und warum wird mit unserem MIXTAPE auf einmal alles besser? Mehr passt hier einfach nicht rein, das machen wir dann nächste Woche...

(Musikkolumne von Toma Moon bei Arcor & Vodafone)

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Jessica Baran-Surel - Alte Musik in neuem Gewand (Windkanal Ausgabe 2014-4)

Studiobericht zu "Aremorica - Land of Elves"

Weit weg von den üblichen Schauplätzen der Alten Musik konnte man im Tonstudio der Mondbasis Hamburg beobachten, wie eine Blockflötistin einen ungewöhnlichen Weg geht. In den letzten zwei Jahren fand hier die Entstehung, Entwicklung und Fertigstellung des Albums „Aremorica – Land of Elves“ von Jessica Baran-Surel statt. Die Idee zu diesem Projekt könnte man auch als die logische Konsequenz von Jessicas bisherigen musikalischen Tätigkeiten sehen. Als leidenschaftliche Blockflötistin sowie Popmusikerin und durch die bretonische Abstammung tief in der keltischen Tradition verwurzelt, war es nur eine Frage der Zeit, dass die Grenzen zwischen den Genres verschwammen und sie ihren eigenen Stil kreierte. Der Film zum Soundtrack entsteht im Kopf des Zuhörers. Wenn man sie spielen hört, sieht man die ganze Weite dieser mystischen Welt vor sich, sieht die Wälder, die Wiesen, die Städte, das Meer und es ist unmöglich sich der Faszination dieser zierlichen, elfenartigen Erscheinung zu entziehen, die da mit aller Leidenschaft den Raum verwandelt.

Nach intensiver Recherchearbeit im Mittelalterstudium an der Haute école de musique de Genève, sowie in der keltischen Musik, kam sie ins Studio Mondbasis, um in Zusammenarbeit mit mir als Produzenten, diesen alten Weisen wieder Leben und Zeitgeist einzuhauchen. Allein die Auswahl an verschiedenen Flöten, von den gängigen Modellen, wie Alt, Tenor, Sopran und Sopranino bis hin zu Doppelflöten und Gemshörnern, lässt einen hellhörig werden und macht Lust auf mehr.

So meinte Jessica: “Ich wollte Popmusik machen, meine keltischen Wurzeln musikalisch ausleben, aber basierend auf mittelalterlichen Quellen und mit historischen Instrumenten arbeiten. Mir war es dabei ganz wichtig, den Klang der historischen Instrumente so gut es geht zur Geltung zu bringen.“

Schnell war klar, dass es sich um Filmmusik handeln würde, ob nun mit oder ohne Film, und bei aller Wichtigkeit der Auswahl der Stücke und des dabei herausgearbeiteten roten Fadens, spielte die Klangästhetik eine entscheidende Rolle. Es ging darum, den Charme und die Atmosphäre dieser wunderbaren alten Instrumente zu erhalten und dabei die Klangfülle, Tiefe und Emotion moderner Produktionen zu erreichen.
Zu diesem Zweck wurden dann auch Baptiste Chopin an der Qanun (eine orientalische Kastenzither) und Amandine Lesne an Fidel und Viola da Gamba hinzugezogen – zumal die Verwendung von virtuellen Softwareinstrumenten, wie sie in der heutigen Popmusik oft eingesetzt werden, keine Option war. Die großen Trommeln und alle anderen Percussion Instrumente übernahm ich einfach selbst und nun ging es an das Arrangement, die Planung und die praktische Umsetzung.

Die Besonderheit lag vor allem darin, diese alten Klänge so einzufangen und zu nutzen, wie man es üblicherweise mit modernen Instrumenten macht. Die wenigsten klassischen Musiker wissen, wie viel in der Popmusik mit Klang gearbeitet wird. Aufgenommen klingen Instrumente allein durch die Auswahl und Platzierung jedes Mikrofons völlig anders, der Raum klingt mit und durch meine, immer wieder gern verwendete sogenannte Pressekonferenz (mehrere Mikrofone in verschiedenen Entfernungen vor und über dem Instrument), lässt sich auch eine räumliche Tiefe und Breite des Instruments erreichen, die es allein in Natura nicht hervorbringen könnte. Am Ende entsteht der Klang aber immer vor dem Mikrofon und nicht dahinter. Der Musiker und die Art und Weise der Interpretation bleibt der entscheidende Faktor, weshalb es uns so wichtig war, die richtigen Instrumentalisten zu finden.

In der Alten Musik wird für Aufnahmen normalerweise viel mit dem Raum und dem gesamten Ensembleklang gearbeitet. Im Pop- und Rockbereich werden die Instrumente in der Regel einzeln aufgenommen und teilweise gedoppelt. Dabei wird das Mikrofon viel näher am Instrument platziert, als das in der Alten Musik der Fall wäre. Die Konsequenzen dieser Herangehensweise waren bei den Aufnahmen eine große Überraschung für die Musiker. Wenn das Mikrofon näher am Instrument ist als das Ohr, sind plötzlich Dinge zu hören, die sonst nicht wahrgenommen werden.
Auch für Jessica waren dies völlig neue Erfahrungen: „Eine weitere große Herausforderung war der Unterschied der Arbeitsweisen. Klassische Musiker sind es gewohnt, ihre Noten zu bekommen, sich ein wenig vorzubereiten und dann aber vom Blatt zu spielen, was in der Pop- und Rockmusik so gut wie gar nicht vorkommt. Oft werden Linien im Studio geändert, mal entstehen diese völlig neu, und Thomas ist da ein detailverliebter Perfektionist mit feinem Gehör, der unheimlich viele Ideen hat und sie auch sofort ausprobiert und umsetzt. Das erfordert sehr viel Leidenschaft, eine gute Auffassungsgabe, Geduld und sehr viel Können am Instrument und ich war immer wieder aufs Neue glücklich über unsere Entscheidung für die beiden Franzosen an Qanun und den Streichinstrumenten.“

Auf dem Album finden sich bekannte Kompositionen des Mittelalters wie z.B. Landini’s „Ecco la primavera“ oder Dufay’s „Vergene Bella“ wieder, die sich zwischen keltischen traditionellen Tänzen, wie z.B. „Andro“ oder „Hanter droú“ einreihen und sich wunderbar zur musikalischen Einheit verbinden. Der Großteil der Stücke basiert auf einer Melodie, die wir nach den mittelalterlichen Kontrapunktregeln und den Möglichkeiten der Instrumente arrangiert haben. Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht, wie weit wir mit unseren Interpretationen und den Arrangements gehen können, ohne den Rahmen der historischen Aufführungspraxis vollends zu verlassen und trotzdem atmosphärisch und klanglich im modernen Popmusik Kontext auch den „Normalbürger“, die Familien, die Rollenspieler und die Fantasy Fans zu begeistern. Musik passiert nicht im Kopf oder auf dem Papier, sondern im Bauch, ist Emotion und Leidenschaft und berührt die Menschen, ob sie nun verstehen, was da vor sich geht oder nicht. Wir haben mit den verschiedenen Stimmen gespielt, nach Einführung der Hauptstimme auch mal die Zweite in den Fokus gesetzt oder mal diesem und mal jenem Instrument die Melodieführung überlassen. Da das Album komplett instrumental gehalten ist und wir dadurch nicht an Lyrics gebunden waren, haben wir uns schon auch mal die Freiheit nehmen können, Abläufe zu ändern und Dinge zu wiederholen, die im Original vielleicht nicht so angelegt sind.

Jessica: „Bei „Des oge mais quer eu trobar“ z.B. ergeben sich die Borduntöne aus den möglichen Begleittönen der Doppelföte. Die Kadenzen haben wir dann nach den typischen Schlussklauseln der Mittelaltermusik arrangiert. Die Basis, um damit mehr in Richtung Popmusik zu gehen, finden wir schon in der Melodie, die nicht nur sehr viel Ohrwurmcharakter mitbringt, sondern darüber hinaus auch aus der keltischen Folklore stammen könnte. Der größte Kompromiss war der Einsatz der Viola da Gamba, die es im Mittelalter ja noch nicht gegeben hat. Durch die moderne Aufnahmetechnik, hatten wir die Möglichkeit, die Gambe so einzusetzen, dass wir das volle Frequenzspektrum, welches wir aus der Popmusik gewohnt sind, erreichen können und dabei aber trotzdem die Klangästhetik zu behalten, die wir aus der Alten Musik gewohnt sind. Die Percussions tun dann ihr übriges. Der Einsatz von Trommeln, wiederspricht zwar nicht der historischen Aufführungspraxis, aber doch unseren Gewohnheiten, da diese in der Alten Musik, wenn überhaupt, dann eher wenig und vor allem nicht so kraftvoll und tieffrequent genutzt werden. Da Trommeln und rhythmische Elemente in der Popmusik zu den wichtigsten musikalischen Elementen überhaupt gehören, war es uns wichtig, in diesem Projekt ein großes Augenmerk darauf zu legen.“

Noch mehr Gestaltungsfreiheit hatten wir natürlich bei den keltischen Weisen, die allesamt nur als einzelne Melodien überliefert sind und viel Raum für Interpretation und eigene Harmonieführung lassen. Eine schöne Melodie bleibt im Ohr, macht einen fröhlich oder traurig, kann aber im jeweiligen harmonischen Kontext noch unendlich viel mehr Tiefe haben und große Bilder erzeugen, die einzig und allein durch unsere Vorstellungskraft begrenzt sind. Gabriel Garrido kommentierte: „Das zeigt uns, wie reich eine einfache Melodie sein kann.“
Jessica setzt diese Melodien auch bewusst im Unterricht ein und kann mit der verspielten Leichtigkeit bei Jung und Alt gleichermaßen, neue Begeisterung wecken. Die erste Single „Hanter Droú“ z.B., die auch vollständig auf der beiliegenden CD enthalten ist, basiert genau auf dieser Einfachheit. Das Stück bekommt durch den großen Klang und die schweren, sehr dynamischen Trommeln gepaart mit der Leichtigkeit der Flöte und der Qanun eine tolle Eigendynamik, reißt einen zum Tanzen mit und versprüht dabei den Charme großer Emotionen, so dass einem sofort einleuchten will, warum die Römer so große Schwierigkeiten mit den sagenumwobenen Galliern hatten. Im Ernst, es ist vor allem die Menge an Instrumentalspuren und damit einhergehend die Größe des Klangbildes bzw. die Art und Weise des Trommelspiels, das weitestgehend überhaupt nicht textorientiert ist, sondern, wie in der Popmusik üblich, auf durchgehenden und treibenden Rhythmusthemen basiert, was dem Ganzen ein modernes Gesicht gibt. Wer Interesse hat, es selbst, oder im Unterricht mit Schülern einmal auszuprobieren, ist herzlich eingeladen, nicht nur in die CD-Beilage reinzuhören, sondern diese Melodie auch einfach mal zu spielen:

Beim Mixing und Mastering wurde teilweise mit über hundert Spuren gearbeitet. Das klingt nach außergewöhnlich viel, ist in der Pop- und Rockmusik aber eher der Normalfall. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Zweifel, die sich im Vorfeld andeuteten, wurden schnell ausgeräumt, und von Größen wie Han Tol, Francis Biggi und Gabriel Garrido gab es bereits sehr gute Kritiken zum Album. So schreibt Han Tol: „Vielen Dank für die CD, die ich heute Abend mit viel Vergnügen gehört habe. Viele Komplimente für das hervorragende Zusammenspiel, die schöne Klangqualität, die guten Arrangements und die allgemeine Sauberkeit!“ Das komplette Album „Aremorica – Land of Elves“ ist sowohl als CD, wie auch als Download, seit dem 31.10.2014 überall im Handel erhältlich. (Ein Bericht von Toma Moon)